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TURBA DELIRANTIUM

 

 

Kurzbiographie des
Papsts Gregor VII. (Hildebrand von Soana)

  
Hildebrand wurde um 1020 bei Soana in Tuskien als Sohn einfacher Eltern geboren.  Er wurde in Rom im Marienkloster auf dem Aventin, dessen Abt sein Oheim war, im Geist der von Cluny ausgehenden kirchlichen Reformbewegung erzogen. Er wurde wahrscheinlich dort Mönch, vielleicht aber auch erst 1048 in Cluny. 

Hildebrand begleitete Gregor VI., den Heinrich III. am 20.12.1046 auf der Synode von Sutri seines Amtes entsetzt hatte, in die Verbannung nach Deutschland (Köln?). Mit Bischof Bruno von Toul, den Heinrich III. im Dezember 1048 auf dem Reichstag zu Worms zum Nachfolger des am 9.8.1048 verstorbenen Damasus II. ernannt hatte, kehrte er nach Rom zurück und wurde von ihm, dem am 12.2. 1049 inthronisierten Leo IX., als Subdiakon in den Kreis der Kardinalkleriker aufgenommen. 1054 oder 1056 war Hildebrand Legat in Frankreich. 

Unter Viktor II. fand er Zugang zur päpstlichen Kanzlei. Nachdem Stephan IX. ohne vorherige Verständigung mit der Kaiserin Agnes, der Witwe Heinrichs III., die für den unmündigen Heinrich IV. die Regentschaft führte, am 2.8.1057 zum Nachfolger Viktors II. gewählt worden war, verschaffte ihm Hildebrand Anfang 1058 die Anerkennung durch den deutschen Hof. Auf der Reise nach Deutschland verhandelte er in Mailand im Auftrag des Papstes mit der Pataria, der sozial-revolutionären Partei in den großen Städten der Lombardei. 

Als der römische Adel in der Nacht vom 4. auf den 5.4.1058 den Kardinalbischof Johann von Velletri mit Waffengewalt als Benedikt X. und Nachfolger des am 29.3. 1058 verstorbenen Stephan IX. auf den Stuhl Petri erhob, ließ Hildebrand im Einverständnis mit der Kaiserin Agnes im Dezember 1058 in Siena durch die dort versammelten Kardinäle der Reformpartei den Bischof Gerhard von Florenz zum Papst wählen, der am 24.1. 1059 in Rom als Nikolaus II. inthronisiert wurde. Er setzte im Januar 1059 auf der Synode zu Sutri Benedikt X. ab und bannte ihn. Hildebrand, seit 1059 Archidiakon der römischen Kirche, war unter ihm der Leiter der kurialen Politik. Er hatte hervorragenden Anteil an dem Zustandekommen des Bündnisses mit der Patana in Oberitalien und mit den Normannen in Süditalien, auch an der Neuordnung der Papstwahl auf der Lateransynode von 1059. 

Auf sein Betreiben wurde ohne vorheriges Einvernehmen mit dem deutschen Hof der Bischof Anselm von Lucca am 30.9.1061 durch das Kardinalskollegium zum Nachfolger des am 27.7.1061 verstorbenen Nikolaus II. gewählt und am darauffolgenden Tag als Alexander II. inthronisiert. Auf einer von der Kaiserin Agnes einberufenen Synode reformfeindlicher deutscher und lombardischer Bischöfe in Basel wurde am 28.10.1061 der Bischof Gadalus von Parma als Honorius II. gegen Alexander II. zum Papst erhoben. Hildebrand verhalf Alexander II. zum Sieg über Honorius II. Nach anfänglichen Erfolgen des Gegenpapstes setzte sich Alexander II. durch: er wurde im Oktober 1062 auf der deutsch-italienischen Synode zu Augsburg vorläufig und am 31.5.1064 auf Betreiben des Erzbischofs Anno von Köln auf der Synode in Mantua endgültig anerkannt. 

Während der Beisetzung des am 21.4.1073 verstorbenen Alexander II. wurde Hildebrand am 22.4. vom Volk und vom Klerus in tumultuarischer Weise zum Papst ausgerufen. Seine Erhebung auf den Stuhl Petri entsprach nicht dem Papstwahlgesetz von 1059. Gregor teilte seine Wahl dem deutschen König mit, und Heinrich IV. erkannte sie an; in Gegenwart seines Kanzlers fand am 30.6. 1073 Gregors Weihe statt. In ihm erreichte die kirchliche Reformbewegung des 11. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Er erstrebte die »libertas ecclesiae«, d. h. die Loslösung der Kirche aus ihrer Verbindung mit dem Weltlichen, die monarchische Regierung aller Kirchen von Rom aus und die Unterwerfung aller weltlichen Mächte unter die Oberhohheit des Papstes. Seine Grundsätze hat Gregor 1075 niedergelegt in den 27 kurzen Sätzen des »Dictatus Papae«.

Das Verhältnis zwischen Gregor und Heinrich IV. war zunächst friedlich. Da der König im Juli 1073 durch den Aufstand der Sachsen in schwere Bedrängnis geriet, war er um ein gutes Einvernehmen mit dem Papst bemüht. Heinrich IV. schrieb einen unterwürfigen Brief an Gregor und vollzog im Mai 1074 in Nürnberg vor zwei römischen Kardinalbischöfen seine völlige Unterwerfung: er tat Buße für seinen Umgang mit den wegen Simonie exkommunizierten, aber von ihm nicht entlassenen Räten und gelobte Gehorsam und Unterstützung der Reformbestrebungen Gregors. Die unter seinem Einfluß von seinen Vorgängern begonnene Reform führte Gregor weiter. Auf der Fastensynode 1074 verbot er die »Simonie«, die Erwerbung oder Übertragung eines geistlichen Amtes um Geld, und gebot den »Zölibat«, d. h. die Ehelosigkeit der Priester. Seit Leo IX. waren frühere Verbote der Priesterehe auf mehreren Synoden erneuert worden, ohne daß die Bischöfe davon Notiz nahmen. Gregor erneuerte die Bestimmungen von 1059 und 1063, nach denen der verheiratete oder im Konkubinat lebende Priester, der das Sakrament verwalte, ebenso wie der Laie, der es von ihm empfange, exkommuniziert werden soll. Da die Zölibatvorschriften heftigen Widerspruch hervorriefen und ihre Durchführung auf nachhaltigen Widerstand stieß, suchte Gregor die Ehelosigkeit der Priester mit den schärfsten Mitteln zu erzwingen: er verfügte auf der Fastensynode 1075 den Ausschluß der widerspenstigen Kleriker vom Meßgottesdienst und forderte die Laien auf, von verheirateten Priestern keine Amtshandlungen anzunehmen und diese mit Gewalt zu nötigen, ihre Frauen zu entlassen. Auf der Fastensynode von 1075 erließ Gregor das Verbot der Laieninvestitur und eröffnete damit den Kampf mit dem deutschen Königtum. Unter »Investitur« versteht das mittelalterliche kirchliche Recht die Übertragung des Bischofsamts mit seinen geistlichen und weltlichen Rechten durch den König durch Übergabe von Bischofsstab und später auch Bischofsring, ebenso die Amtsübergabe bei Äbten königlicher Klöster.

Gregors Reformpolitik für die Kirche im Gefolge der Reformen von Cluny war umfassend, Anhänger für seinen Anspruch auf Freiheit der Kirche vor weltlichen Gewalten fanden sich in ganz Europa. Sein Anspruch für die Kirche machte aber den Zusammenstoß mit dem deutschen König Heinrich IV. unausweichlich. In einer 1075 einberufenen Synode drang Gregor noch entschiedener auf die Ahndung der Simonie, schon 1074 war die strikte Einhaltung des Zölibats erzwungen worden. Darüber hinaus untersagte die Synode den weltlichen Fürsten die Investitur von Laien ins Bischofsamt - ein Privileg, mit dem die Fürsten bislang ihre Autorität in geistlichen Fragen gefestigt hatten. Der Investiturstreit eskalierte: Gregor drohte dem Kaiser die Exkommunikation an, nachdem dieser unbeeindruckt Bischöfe ernannt und eingesetzt hatte; der wiederum erklärte den Papst als "falschen Mönch" für abgesetzt. Die deutschen Fürsten drohten, sich von Heinrich loszusagen, woraufhin er einlenken musste: mit dem Bußgang Heinrichs nach Canossa schien der Konflikt 1077 sein Ende zu finden.

Doch Heinrich betrieb eine Politik der Nadelstiche gegen den Papst und taktierte weiter. Es folgte der zweite Bannstrahl aus Rom und eine von Heinrich nach Brixen einberufene Synode, die den Erzbischof von Ravenna als Gegenpapst Clemens III. wählte. Heinrich unternahm zudem einen Feldzug gegen Gregor, kaiserliche Truppen belagerten ab 1081 Rom, stürmten 1083 die Peterskirche und bekamen 1084 die ganze Stadt übergeben. Die Normannen konnten Gregor zwar aus Rom befreien, verwüsteten die Stadt dabei aber so sehr und nahmen Tausende als Sklaven, so dass das Volk Gregor die Schuld dafür gab und ihn nicht länger in ihren Mauern duldete. Ausgelaugt und einsam starb er am 25.5. 1085 im Exil in Salerno.

 

Quelle:

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon:
http://www.bautz.de/bbkl/g/gregor_vii.shtml

Ökumenisches Heiligenlexikon:
http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?BiographienG/Gregor_VII.html

Autor: Gunter Krebs

 

 

Listinus Toplisten Ego Gunter Krebs indignus programator scripsi hunc situm TelaeTotiusTerrae anno domini 2003 Turba Delirantium
© by Turba Delirantium und Gunter Krebs (2003), alle Rechte vorbehalten  Jegliche Veränderungen, Kürzungen, Nachdrucke (auch auszugsweise) bedürfen der Genehmigung der Verfasser.

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